Pressemitteilung der Frauen Union Haan

Es gibt Hilfe für Opfer von Gewalt und Straftaten

Haan. Auf Einladung der Frauen Union Haan diskutierten am Donnerstagabend, 4.07.2019, rund 40 interessierte Bürger aus Haan die Arbeitsgebiete der ersten Opferschutzbeauftragten des Landes NRW, Frau Elisabeth Auchter-Mainz. Die Stelle Opferschutz wurde im Dezember 2017 eingerichtet. Neben Frau Auchter-Mainz, ehemalige Generalstaatsanwältin, sind eine Sozialarbeiterin, eine Staatsanwältin und eine Bürokraft im Team beschäftigt. Erste und wichtigste Aufgabe ist es, Ansprechstelle für Opfer aller Art – also von Gewalt, auch häuslicher Gewalt, Unfall, Betrug, Stalking, Terror, Cyber-Kriminalität usw. – zu sein. Außerhalb der normalen Bürozeiten ist rund um die Uhr eine Hotline geschaltet.  Opfer werden zurückgerufen und beraten. Die Stelle Opferschutz übernimmt eine Lotsenfunktion durch wen, wie, wo jemand Hilfe bekommen kann, sei es bei juristischen Fragen, zur Opferschutzberatung der Polizei, zum Weißen Ring, zu Frauenhäusern, zu den Landschaftsverbänden wegen der Zahlungen gemäß Opferentschädigungsgesetz, wegen Schmerzensgeld oder Entschädigung, zu Traumatologen oder Therapeuten usw. „Wir vertreten eine opferorientierte Justizpolitik. Bei uns geht Opferschutz vor Täterschutz“, so Auchter-Mainz. MdB Michaela Noll, selber seit vielen Jahren Mitglied des Weißen Ringes, betonte in einer kurzen Einführung, wie weit NRW hier sei und dass der Paradigmenwechsel hin zum Opferschutz nicht nur in der Justiz sondern auch in den Medien erfolgen muss.

Sehr eindrucksvoll berichtete Auchter-Mainz von ihrem Einsatz nach der Amokfahrt in Münster, als das Team proaktiv die Opfer und Angehörigen aufsuchte und nach einem Jahr auch eine Trauerfeier organisierte. Auch den Familien der Kinder, die in Lügde auf dem Campingplatz Opfer von sexuellem Missbrauch wurden, wird Hilfe angeboten. Damit für die Einzelfälle und auch die betroffenen Gruppen jeweils die beste Hilfe vermittelt werden kann, gehört es zu den Aufgaben des Opferschutzteams, ein gutes Netzwerk über gesamt NRW zu ziehen. Natürlich gibt es noch „blinde Flecken“, gerade auch in den ländlichen Regionen, zum Beispiel was die auf häusliche Gewalt spezialisierten Staatsanwaltschaften angeht, muss es noch Verbesserungen geben.

Männer und Jungen sind fast genau so häufig Opfer wie Frauen und suchen Hilfe

Und dies versteht das Team in Köln als seine dritte Aufgabe: Es gibt Impulse zur Verbesserung des Opferschutzes. So hat der 1. Jahresbericht eine erstaunliche Erkenntnis geliefert. Neben 53 Prozent Hilfeanfragen von Frauen, meldeten sich 47 Prozent Männer und baten um Hilfe. Mit diesem hohen Anteil hatte niemand gerechnet. Das Problem ist, dass es für Männer und Jungen nur sehr wenige Hilfsangebote und Schutzräume gibt. Hier muss noch Vieles verbessert werden. Auchter-Mainz setzt sich auch für die sogenannte Anonyme Spurensicherung und ein standardisiertes Verfahren ein, dass gerade die Opfer häuslicher Gewalt nicht unter Druck setzt und doch die Spuren von Gewalt sichert.

Sie erreichen die Opferschutzstelle über die Hotline:  0221-39909964 oder per E-Mail: poststelle@opferschutzbeauftragte.nrw.de        

Frau Elisabeth Auchter-Mainz, Opferschutzbeauftragte NRW und Frau Brigitte Heuser, Vorsitzende der Frauen Union Haan

8.07.2019 – Annette Braun-Kohl