Corona Krise – Existenzbedrohung für Schausteller

Corona Krise – Existenzbedrohung für Schausteller

Interview von Brigitte Heuser mit Landrat Thomas Hendele und der Haaner Schaustellerin Nicole Bauer über die Folgen der Corona Krise für die Schausteller Branche

Nicole Bauer leitet gemeinsam mit ihrer Mutter das einzige Haaner Schausteller Unternehmen in der 5. Generation. Das Schaustellergewerbe ist besonders hart von der Corona Krise und dem Corona Lockdown betroffen. Direkt nach Karneval kam von heute auf morgen der große Knall: Berufsverbot für eine gesamte Branche: die Schausteller. Nach der letzten Ankündigung der Bundesregierung dauert dies noch an bis mindestens Ende dieses Jahres: Verbot für alle Großveranstaltungen. Dazu zählen Schützenfeste, Volksfeste, Dorffeste und Kirmesveranstaltungen.

Von einem Tag zum anderen ohne Einnahmen, aber laufenden Kosten. Nur schwer vorzustellen, wie sich das für die Betroffenen und ihre Familien anfühlt. Das kostet Kraft und viele Nerven. Schlaflose Nächte und Zukunftsängste kommen hinzu. So eine Situation hat es ja auch noch nie gegeben.

Die Haaner Kirmes musste ja Corona bedingt ebenfalls abgesagt werden, was in diesen Tagen so kurz vor der jährlichen Kirmes Zeit viele Haaner Bürgerinnen und Bürger bedrückt.

Mittlerweile gibt es Freizeitparks, die wieder öffnen durften und damit einigen Schaustellern wieder die Chance zu Einnahmen, wenn auch deutlich reduziert, ermöglicht wurden. Denn aufwendige Hygienekonzepte mussten entwickelt und umgesetzt werden, damit die Sicherheit für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger gewährleistet werden kann.

Nicole Bauer ist auch im Verband der Schausteller bundesweit aktiv tätig, um Lösungen mit entsprechenden Hygienekonzepten zu entwickeln für zumindest kleine Schützenfeste und Volksfeste oder Familienfeste, die die Chance haben, lokal in den Städten und Gemeinden der einzelnen Bundesländer zugelassen zu werden.

Corona Krise – Existenzbedrohung für Schausteller

Landrat Thomas Hendele bedauert, dass es hier keine bundeseinheitlichen Regeln gibt. Er weist darauf hin, dass wir alle davon ausgehen müssen, noch lange mit der Corona Krise und ihren Folgen zu leben. Es sind daher Konzepte zu entwickeln, die es den Menschen ermöglichen, unter Einhaltung erforderlicher Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen solche Feste zu besuchen und dabei ihren Spaß zu haben. Nur so ist das Überleben der Schausteller Branche dauerhaft zu erreichen.

Nicole Bauer wünscht sich dies auch und arbeitet dafür intensiv auf der politischen Ebene. So wurden Demonstrationen in Berlin, Stuttgart und München organisiert, um dafür zu werben, das Berufsverbot für Schausteller aufzuheben. Sie betont ausdrücklich, dass natürlich für Großveranstaltungen wir die Haaner Kirmes es der Zeit keine Konzepte gibt, die eine sichere Durchführung für die Bevölkerung zulassen.

Aber es gibt Hygienekonzepte, die für kleinere Veranstaltungen sicher umgesetzt werden können. So, wie Gastronomiebetriebe es können oder Pommesbuden oder Strandpromenaden an der Ostsee / Nordsee oder in der Düsseldorfer Altstadt, in der sich bei schönem Wetter Tausende von Menschen drängen. Nicole Bauer wünscht sich, dass dieses Vertrauen in die Umsetzung von wirkungsvollen Hygienekonzepten in Zukunft auch den Schaustellern entgegengebracht wird.

Sie weiß, dass die Lobby der Schausteller nicht so groß ist wie die Lobby andere Berufsgruppen. Aber auf die Fröhlichkeit der Menschen hat die Branche der Schausteller erheblichen Einfluss. Dies zeigen die vielen strahlenden und glücklichen Gesichter auf Veranstaltungen mit Schaustellern und das in allen Altersgruppen, vom Kleinkind bis hin zu Senioren, bei denen wieder Kindheitserinnerungen wach werden.

Falls das nicht gelingt, ist es das Ende einer ganzen Branche und es bleibt nur der Weg zur Sozialmatte. Alternativen sind nur schwer, wenn überhaupt zu finden. Das kann und sollte aber nicht passieren Dann würden wir ein Stück unseres Jahrhunderte alten Kulturgutes verlieren.

Landrat Thomas Hendele betont, dass es nun gemeinsame Aufgabe der Schausteller und der Kommunen mit ihren Gesundheitsämtern und Ordnungsämtern ist, Lösungen und Hygienekonzepte zu entwickeln, die den Schutz der Bürgerinnen und Bürger gewährleisten. Der gefahrlose  Besuch von Schausteller  Veranstaltungen, um Spaß zu haben und sich von den Anforderungen des Alltages zumindest für kurze Zeit abzulenken, sollte so wieder möglich werden.

Nicole Bauer betont, dass es ihr und ihren Schausteller Kolleginnen und Kollegen in erster Linie nicht um die Einnahmen geht, die sicherlich zum Überleben wichtig sind.  Die Ausübung ihrer Tätigkeit ist ihr eine Leidenschaft und Herzensangelegenheit. Für die Schausteller gilt der Leitsatz: Wir machen Freizeit zum Vergnügen! Ist es nicht das, was in unserer heutigen Zeit an vielen Stellen fehlt? Die Gewährleistung der notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln durch geeignete Konzepte ist nach Überzeugung der Schausteller leistbar.

Es wäre zu wünschen, dass auf den Weihnachtsmärkten, zumindest auf kleineren, die hoffentlich kommen werden, es wieder gelingt, Freude zu verbreiten und den Menschen ein Stück der schweren Last zu nehmen, die uns alle in der Corona Zeit getroffen hat und mit deren Folgen wir noch lange leben müssen.

Auch die Frauen Union Haan ist überzeugt, dass die Schausteller dies leisten können. Denn es gibt ja eine Jahrhunderte alte Tradition, in der dies bewiesen wurde. Landrat Thomas Hendele und die Frauen Union Haan wünschen Nicole Bauer und allen Schaustellerinnen und Schaustellern eine gesicherte Zukunft.

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